ISO 2768 Allgemeintoleranzen: Tabellen f, m, c, v und H, K, L
ISO 2768 legt Toleranzen für alle Maße fest, die auf der Zeichnung keine eigene Toleranzangabe haben. Teil 1 regelt Längen- und Winkelmaße in den Klassen f, m, c und v, Teil 2 allgemeine Form- und Lagetoleranzen in den Klassen H, K und L — die Angabe „ISO 2768-mK“ im Schriftfeld kombiniert beide.
Von Richard Weber, Gründer von QMreport · Stand 31.10.2026
Wofür gibt es Allgemeintoleranzen?
Würde man jedes Maß einzeln tolerieren, wäre die Zeichnung unlesbar. Deshalb verweist das Schriftfeld auf eine Allgemeintoleranz: Sie gilt für alle Maße ohne eigene Toleranzangabe. Für den Prüfbericht heißt das: Auch diese Maße haben einen Sollbereich, der aus der Tabelle unten abgelesen und als Grenzmaße eingetragen wird.
Auf der Zeichnung steht die Angabe meist als ISO 2768-m (nur Teil 1, Klasse mittel) oder ISO 2768-mK (Teil 1 Klasse m und Teil 2 Klasse K), auf älteren Zeichnungen auch als „DIN ISO 2768-1 m“ oder „DIN 7168“.
ISO 2768-1: Längenmaße
Grenzabmaße in mm für Längenmaße außer Radien und Fasen, nach Nennmaßbereich (mm) und Toleranzklasse:
| Nennmaß | f (fein) | m (mittel) | c (grob) | v (sehr grob) |
|---|---|---|---|---|
| 0,5 bis 3 | ±0,05 | ±0,1 | ±0,2 | – |
| über 3 bis 6 | ±0,05 | ±0,1 | ±0,3 | ±0,5 |
| über 6 bis 30 | ±0,1 | ±0,2 | ±0,5 | ±1 |
| über 30 bis 120 | ±0,15 | ±0,3 | ±0,8 | ±1,5 |
| über 120 bis 400 | ±0,2 | ±0,5 | ±1,2 | ±2,5 |
| über 400 bis 1000 | ±0,3 | ±0,8 | ±2 | ±4 |
| über 1000 bis 2000 | ±0,5 | ±1,2 | ±3 | ±6 |
| über 2000 bis 4000 | – | ±2 | ±4 | ±8 |
Beispiel: Ein Maß von 40 mm bei ISO 2768-m liegt im Bereich „über 30 bis 120“ und hat ±0,3 mm — Sollwert im Prüfbericht: 39,7–40,3.
ISO 2768-1: Radien und Fasenhöhen
| Nennmaß | f und m | c und v |
|---|---|---|
| 0,5 bis 3 | ±0,2 | ±0,4 |
| über 3 bis 6 | ±0,5 | ±1 |
| über 6 | ±1 | ±2 |
Beispiel: R2 bei Klasse m hat ±0,2 mm, also 1,8–2,2.
ISO 2768-1: Winkelmaße
Grenzabmaße nach der Länge des kürzeren Schenkels (mm):
| Kürzerer Schenkel | f und m | c | v |
|---|---|---|---|
| bis 10 | ±1° | ±1°30′ | ±3° |
| über 10 bis 50 | ±0°30′ | ±1° | ±2° |
| über 50 bis 120 | ±0°20′ | ±0°30′ | ±1° |
| über 120 bis 400 | ±0°10′ | ±0°15′ | ±0°30′ |
| über 400 | ±0°5′ | ±0°10′ | ±0°20′ |
ISO 2768-2: Allgemeine Form- und Lagetoleranzen
Teil 2 regelt Form- und Lagetoleranzen, die nicht einzeln eingetragen sind, in den Klassen H (fein), K (mittel) und L (grob). Toleranzen in mm.
Geradheit und Ebenheit
| Nennmaß | H | K | L |
|---|---|---|---|
| bis 10 | 0,02 | 0,05 | 0,1 |
| über 10 bis 30 | 0,05 | 0,1 | 0,2 |
| über 30 bis 100 | 0,1 | 0,2 | 0,4 |
| über 100 bis 300 | 0,2 | 0,4 | 0,8 |
| über 300 bis 1000 | 0,3 | 0,6 | 1,2 |
| über 1000 bis 3000 | 0,4 | 0,8 | 1,6 |
Rechtwinkligkeit (nach dem kürzeren Schenkel)
| Kürzerer Schenkel | H | K | L |
|---|---|---|---|
| bis 100 | 0,2 | 0,4 | 0,6 |
| über 100 bis 300 | 0,3 | 0,6 | 1 |
| über 300 bis 1000 | 0,4 | 0,8 | 1,5 |
| über 1000 bis 3000 | 0,5 | 1 | 2 |
Symmetrie
| Nennmaß | H | K | L |
|---|---|---|---|
| bis 100 | 0,5 | 0,6 | 0,6 |
| über 100 bis 300 | 0,5 | 0,6 | 1 |
| über 300 bis 1000 | 0,5 | 0,8 | 1,5 |
| über 1000 bis 3000 | 0,5 | 1 | 2 |
Lauf (Rund- und Planlauf)
| Klasse | H | K | L |
|---|---|---|---|
| Lauftoleranz | 0,1 | 0,2 | 0,5 |
Für Rundheit gilt der Wert der Durchmessertoleranz, höchstens aber die Lauftoleranz; die Parallelität ist durch die Maßtoleranz bzw. die Geradheits- oder Ebenheitstoleranz begrenzt.
Wann gilt ISO 2768 nicht?
- Für Maße mit eigener Toleranzangabe oder Passung (z. B. 25 ±0,05 oder Ø20 H7).
- Für Hilfsmaße in Klammern und theoretisch genaue Maße im Rahmen.
- Für andere Fertigungsverfahren mit eigenen Normen: Guss (ISO 8062-3), Schweißkonstruktionen (ISO 13920), Kunststoffformteile (DIN 16742).
Für allgemeine geometrische Spezifikationen gibt es mit ISO 22081 inzwischen einen Nachfolger. Auf bestehenden Zeichnungen ist ISO 2768 aber weiterhin die mit Abstand häufigste Angabe — maßgeblich ist immer die Norm, auf die die Zeichnung verweist.
Allgemeintoleranzen im Prüfbericht
QMreport erkennt die Allgemeintoleranz im Schriftfeld und führt sie im Prüfbericht als eigene Zeile („untolerierte Maße“ mit der Norm und Klasse), während tolerierte Maße und Passungen direkt als Grenzmaße erscheinen. Welche untolerierten Maße Sie zusätzlich einzeln dokumentieren, entscheiden Sie bei der Kontrolle. Mehr dazu, welche Angaben einer Zeichnung Prüfmerkmale sind, lesen Sie unter Prüfmerkmale erfassen.
Alle Angaben nach bestem Wissen und ohne Gewähr. Verbindlich ist der Normtext von ISO 2768-1 und ISO 2768-2, erhältlich bei DIN Media.
Häufige Fragen
+Was bedeutet ISO 2768-mK?
Die Angabe kombiniert beide Teile der Norm: „m“ ist die Toleranzklasse mittel für Längen- und Winkelmaße nach ISO 2768-1, „K“ die mittlere Klasse für allgemeine Form- und Lagetoleranzen nach ISO 2768-2.
+Welche Allgemeintoleranz gilt, wenn auf der Zeichnung keine angegeben ist?
Keine. ISO 2768 gilt nur, wenn die Zeichnung darauf verweist, meist im Schriftfeld. Fehlt der Verweis, sind Maße ohne Toleranzangabe nicht eindeutig toleriert — das sollte vor der Fertigung mit dem Kunden geklärt werden.
+Gilt ISO 2768 auch für Guss- oder Kunststoffteile?
Nein, ISO 2768-1 ist für spanend gefertigte und umgeformte Teile gedacht. Für Gussteile gilt üblicherweise ISO 8062-3, für Schweißkonstruktionen ISO 13920 und für Kunststoffformteile DIN 16742.
+Wie lese ich ein Maß mit Allgemeintoleranz im Prüfbericht?
Den passenden Nennmaßbereich und die Klasse in der Tabelle suchen und als Grenzmaße eintragen: Ein Maß von 40 mm mit ISO 2768-m hat ±0,3 mm, im Prüfbericht steht also 39,7–40,3.