Zeichnung ballonieren: So nummerieren Sie Prüfmerkmale richtig
Beim Ballonieren wird jedes prüfrelevante Merkmal einer technischen Zeichnung mit einem nummerierten Kreis (Ballon) markiert. Die Nummer verknüpft das Merkmal auf der Zeichnung eindeutig mit seiner Zeile im Prüfbericht — so findet der Prüfer jedes Maß sofort, und der Kunde kann jeden Messwert nachvollziehen.
Von Richard Weber, Gründer von QMreport · Stand 31.10.2026

Was bedeutet Ballonieren?
Ballonieren (engl. ballooning) heißt, jedes prüfrelevante Merkmal auf der Zeichnung mit einer Nummer in einem Kreis zu versehen. Die Nummer ist der Schlüssel zwischen Zeichnung und Prüfbericht: Merkmal 12 auf der Zeichnung ist Zeile 12 im Bericht. Das Ergebnis heißt ballonierte Zeichnung und wird dem Bericht meist als Anhang beigelegt.
Wozu dient die ballonierte Zeichnung?
- Vollständigkeit: Was keinen Ballon hat, wurde vergessen — beim Erstmusterprüfbericht muss jedes Merkmal geprüft sein.
- Schnelles Messen: Der Prüfer findet das Maß zur Zeile sofort, statt die Zeichnung abzusuchen.
- Nachvollziehbarkeit: Kunde und Auditor können jeden Messwert seiner Stelle auf der Zeichnung zuordnen.
- Wiederholbarkeit: Folgeprüfungen und Reklamationen beziehen sich auf dieselben Nummern.
Was wird balloniert?
Alles, was geprüft werden muss:
- Maße mit Toleranz, Passungen (z. B. Ø20 H7), Winkel, Radien und Fasen
- Maße ohne eigene Toleranz, für die die Allgemeintoleranz gilt
- Form- und Lagetoleranzen (ein Ballon je Toleranzrahmen)
- Oberflächenangaben (Ra, Rz), Gewinde, Härte- und Beschichtungsangaben
- Hinweise und Fußnoten wie „Kanten gebrochen 0,2–0,5“ oder „gratfrei“
- prüfrelevante Angaben im Schriftfeld, etwa Werkstoff oder allgemeine Rauheit
Nicht balloniert werden in der Regel Hilfsmaße (in Klammern) und theoretisch genaue Maße (im Rahmen) — sie sind nicht direkt toleriert. Mehr dazu unter Prüfmerkmale erfassen.
Welche Nummerierung ist die richtige?
Es gibt keine allgemeingültige Regel — wichtig ist, dass Sie innerhalb eines Kunden konsistent bleiben:
| Schema | So funktioniert es | Geeignet für |
|---|---|---|
| Laufend | 1, 2, 3 … — meist im Uhrzeigersinn oder Ansicht für Ansicht von links oben. | Die meisten Teile, Erstmuster |
| Nach Planquadrat | Nummer enthält das Feld des Zeichnungsrasters, z. B. „C4-2“ für das zweite Merkmal im Feld C4. | Große Zeichnungen, Luftfahrt (Reference Location) |
| Pro Bauteil | Eigene Nummernkreise je Einzelteil einer Baugruppe. | Baugruppen-Zeichnungen |
| Gesammelt | Gleiche Merkmale unter einer Nummer mit Unternummern, z. B. „4× Ø6,6“ als 5.1 bis 5.4. | Lochbilder, Wiederholmerkmale |
Regeln für saubere Ballons
- Ballon direkt neben das Merkmal setzen, bei Bedarf mit Hinweislinie — nie auf Maßlinien oder Konturen.
- Ballons dürfen sich nicht überlappen und keine anderen Angaben verdecken.
- Einheitliche Größe und Farbe; die Originalzeichnung bleibt lesbar.
- Ein Ballon pro Merkmal — Mehrfachangaben entweder einzeln oder gesammelt mit Unternummern.
- Nummernfolge so wählen, dass der Prüfer die Zeichnung in einem Durchgang abarbeiten kann.
Von Hand oder mit Software?
| Weg | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| PDF-Editor (Stempel, Kommentare) | Kein Zusatzwerkzeug nötig | Jede Nummer von Hand setzen und abtippen; Bericht und Zeichnung laufen leicht auseinander |
| CAD-System | Genau, wenn das 3D-Modell vorliegt | Nur für eigene Konstruktionen; Kundenzeichnungen kommen meist als PDF |
| Ballonierungs-Software mit Texterkennung | Schneller als von Hand, Export in Berichtsformulare | Oft auf englischsprachige Normen und Formulare ausgerichtet; Scans ohne Textebene problematisch |
| KI-gestützt (z. B. QMreport) | Erkennt Merkmale auch auf Scans und Fotos, rechnet Grenzmaße, füllt die eigene Word-Vorlage | Ergebnis muss — wie jede Automatisierung — kontrolliert werden |
Bei Zeichnungen mit vielen Merkmalen dauert das manuelle Ballonieren und Übertragen schnell länger als das eigentliche Messen. QMreport setzt die Ballons automatisch, verknüpft jede Markierung mit ihrer Zeile im Bericht und lässt sich per Klick korrigieren: Markierungen verschieben, Merkmale ergänzen, Nummerierung umstellen.
Häufige Fragen
+Ist Ballonieren Pflicht?
Gesetzlich nicht. Viele Kunden verlangen beim Erstmusterprüfbericht aber eine ballonierte Zeichnung, und in der Luftfahrt (EN 9102 / AS9102) braucht jedes Merkmal eine eindeutige Nummer, die sich auf der Zeichnung wiederfindet. Auch intern spart die Nummerierung bei jeder Folgeprüfung Zeit.
+Was macht man bei einer Zeichnungsänderung?
Bewährt hat sich: bestehende Nummern behalten, entfallene Merkmale als entfallen kennzeichnen und neue Merkmale mit neuen Nummern am Ende anhängen. So bleiben alte und neue Prüfberichte vergleichbar.
+Werden Hilfsmaße balloniert?
In der Regel nicht. Hilfsmaße (in Klammern) dienen nur der Information und sind nicht toleriert. Manche Kunden wünschen sie trotzdem im Bericht — dann als Information ohne Bewertung.